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Kirkenes - Grenzgebiete

Karte Kirkenes Kopie

Dann geht es weiter bis Kirkenes. An einer Stelle wird es mir irgendwie unheimlich zu Mute: Über eines Strecke von etwa 20 km ist sogar das Anhalten verboten - militärisches Sperrgebiet! Hier wird einem langsam bewusst, dass es an die Grenze zu Russland geht. Norwegen war zur Zeit des “Eisernen Vorhangs” der einzige Nato-Partner mit einer direkten Grenze zum Erzfeind UDSSR.

Dann erreiche ich einen Wegweiser, der mir vor Augen hält, wie weit ich gekommen bin: Es gibt Hinweise bis nach Murmansk!

Für mich geht es aber nach Kirkenes. Es ist ein merkwürdiges, aber auch erhebendes Gefühl, das Schild zu passieren, von dem ich so lange geträumt oder auch Internet über ihn nachgesehen habe. Kirkenes - Ende der E6. Wie viele Kilometer bin und Stunden war auf ihr unterwegs!

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Der Ort selber hat wenig zu bieten außer Geschäften und vor allem einer Shell-Tankstelle mit einer Entsorgungsstation. Als ich die anlaufe, muss ich allerdings feststellen: Sie ist defekt. Ich tanke und frage, ob es nicht irgendwo Wasser gäbe. Sofort werde ich gebeten, mit dem Womo in die große Waschhalle zu fahren, dort hilft mir jemand und reicht mir einen Wasserschlauch, mit dem ich alles auffüllen kann. Die Hilfsbereitschaft freut mich sehr.

Ich fahre dann weiter zur Anlegestelle der Hurtig-Rute. Schon oft habe ich auf einer Internetseite gesehen, wie hier die Schiffe festmachen am Ende der Nordfahrt. Doch das Kai ist ausgestorben. Also geht der Weg wieder zurück, der Blick fällt auf einen russischen Fischkutter. Will da wohl jemand freiwillig mitfahren?

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Ruhe im Hafen von Kirkenes - eines meiner Lieblingsbilder

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Bei der Reise 2007 erlebte ich Kirkenes ganz anders. Es war Markt in Kirkenes, der Ort erfüllt von Leben, Musik, vielen Menschen auf der Straße. In kurzen Ärmeln sitzen die Menschen auf der Straße bei einem Kaffe, Kinder spielen. Wer würde dies hier oben vermuten?

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Musikgruppen zeigen ihr Können.

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Doch hier bin ich noch nicht am Ende des Weges. Es geht noch weiter auf der E105 nach Jakobselv. An einer Stelle biegt auch die E 105 nach Murmansk ab. Ich stehe am Grenzübergang, der für mich unüberwindlich bleibt.

Es geht wenige hundert Meter zurück, dann nach Rechts auf die 886. Die Straße ist landschaftlich äußerst reizvoll. Sie schlängelt sich am Berghang entlang, dann wieder über freie Flächen, dann durch Wald. Bei Bjørnstad allerdings ändert sich die Straße: Aus dem bisherigen löchrigen Teer wird eine Schotterpiste mit tiefen Schlaglöchern - und das über 20 km lang. Als ich an der Kirche bei Jakobselv ankomme, höre ich ein Brummen hinten aus dem Womo. Erst nach einiger Zeit merke ich, was los ist: Durch die Schüttelei hat sich das Ventil am Boiler geöffnet und seither pumpt die Pumpe das ganze Frischwasser hinaus. Der Tank ist so gut wie leer. Nur gut, dass es im Friedhof einen Brunnen mit frischem Wasser aus den Bergen gibt!

An diesem Weg stehen auch immer wieder Schilder, die einen vor dem Überschreiten der Grenze warnen. Auf der anderen Seite des kleinen Baches ist Russland. Den Bach könnte ich bequem durchwaten - aber ich darf nicht. Grenzverletzungen werden wohl immer noch schwer bestraft. Es ist etwas, was ich nicht begreifen kann und will, was in mir Beklemmung auslöst: dass da wenige Meter entfernt ein Land ist, das ich nicht betreten darf. Warum kann und muss so etwas sein? Warum muss unsere Erde so unterteilt sein?

Auf der einen Seite der norwegische Grenzpfosten, auf der anderen Seite der russische - so nah und doch so fern!

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Dann ist die kleine Kirche erreicht. Sie steht hier einsam in der Gegend, mein Womo davor. Es ist angenehm warm, ein kleiner Spaziergang durch die Dünen tut gut.

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Dann geht es noch einige hundert Meter weiter bis zu einem kleinen Parkplatz (in der Zwischenzeit mit Kiosk!). Im Sand stelle ich mein Womo ab, gehe ein Stück auf die Felsen hinaus und setze mich hin. Es merkwürdig, hier zu sein: Hier ist irgendwie alles aus - die Straße, das Land, es ist ein Endpunkt!

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Draußen fährt ein größeres Schiff, davor zwei Paddelboote, die immer wieder vor ihm kreuzen. Ich wundere mich, bis ich merke, das hier vor sich geht. In der Bucht schwimmen zwei Gruppen kleinerer Wale - und das Schiff ist ein Walfängerschiff. Vorne auf dem Bug steht eine Kanone! Die Freude an diesem schönen Ort verschwindet, Wut steigt in mir hoch. Ich bin froh, dass nicht geschossen wird, während ich hier bin. Aber auch das ist Norwegen.

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Von Kirkenes nach Süden

Die 885 führt von Kirkenes hinaus nach Süden. Zunächst reiht sich Ortschaft an Ortschaft, neue Häuser an neue Häuser. Dann wird alles etwas menschenleerer. Auf der linken Seite liegen die Abraumhalden eines Tagebaus, kilometerlang. Dann wird die Straße kleiner und einsamer. Ab und zu regnet es. Eigentlich wollte ich noch bis fast zum Dreiländereck Norwegen - Russland - Finnland fahren, aber durch die vielen Kurven hat alles länger gedauert. Auf der linken Seite liegt eine Seenlandschaft. Nach einer Stunde Fahrzeit habe ich genug, es wird auch langsam Abend. An einer Abzweigung biege ich rechts ab, dann geht es auf einen dünnen Kiesweg. Die Äste von Bäumen und Büschen kratzen am Womo. Wo ich hier wohl hinkomme? Dann treten die Büsche zurück, eine freie und gekieste Fläche wird sichtbar. Hier bleibe ich mit dem Womo über Nacht. Am Abend höre ich dann Hecheln vor meinem Womo. Als ich hinausschaue, sehe ich einen alten Pickup, der von Schlittenhunden gezogen wird ... Dann gibt es noch einen Spaziergang im Abendlicht (und begleitet von Mückenschwärmen). Es ist eine wundervolle Landschaft, einsam und ruhig.

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Am Morgen scheint dann die Sonne. Ich nutze die Gelegenheit und hänge Handtücher etc. einmal an die Sonne, damit alles richtig austrocknet.

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Dann mache ich mich auf zu einer Wanderung durch das Oksfjellet. Bei meinem Womo ist ein kleiner Weg ausgeschildert. Es ist richtig heiß, ein T-Shirt mit kurzen Ärmeln reicht völlig aus, ich muss auch so richtig schwitzen - und das so weit im Norden!

Der Weg geht zunächst malerisch durch einen Wald. Dort stoße ich auf eine Lagerstelle: ein Holzgestellt, das mit Planen abgedeckt werden kann. Dabei hängt ein Hinweisschild auf Bären, die hier noch vorkommen. Und wer die Wanderung ungefressen überlebt hat, darf sich in eine Art “Gipfelbuch” eintragen ...

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Dann geht es über einen Bach hinaus auf das Fjell. Der Boden federt und schmatzt unter den Schritten, es ist alles sumpfig. Auf Schritt und Tritt gibt es reife Blaubeeren und Moltebeeren. Es ist einfach wunderbar: die Sonne und die Wärme, die Landschaft mit ihrem Geruch nach Kräutern, die Beeren zum Essen ...

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Auf dem Rückweg entdecke ich einen kleinen Wasserfall und wasche mir mit dem frischen Wasser den Schweiß ab - und setze mich schnell wieder in Bewegung, bevor mich die Armee der Schnaken leergesaugt hat.

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Dann geht es noch auf eine letzte Etappe Richtung Süden bis zur Höhe 96. Dort hat man eine tolle Aussicht hinüber nach Russland ...

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... und man sieht den Schmutz und Rauch, den die nahen russischen Industriestädte in die Luft blasen.

Dann gibt es noch eine Rast an einem See. Er liegt ruhig und spiegelglatt vor mir.

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