 |
|
Kirkenes - Grenzgebiete
|
|
|
 |
 |
|
Dann geht es weiter bis Kirkenes. An einer Stelle wird es mir irgendwie unheimlich zu Mute: Über eines Strecke von etwa 20 km ist sogar das Anhalten verboten - militärisches Sperrgebiet! Hier wird einem langsam bewusst, dass es an die Grenze zu Russland geht. Norwegen war zur Zeit des “Eisernen Vorhangs” der einzige Nato-Partner mit einer direkten Grenze zum Erzfeind UDSSR.
|
|
 |
|
Dann erreiche ich einen Wegweiser, der mir vor Augen hält, wie weit ich gekommen bin: Es gibt Hinweise bis nach Murmansk!
Für mich geht es aber nach Kirkenes. Es ist ein merkwürdiges, aber auch erhebendes Gefühl, das Schild zu passieren, von dem ich so lange geträumt oder auch Internet über ihn nachgesehen habe. Kirkenes - Ende der E6. Wie viele Kilometer bin und Stunden war auf ihr unterwegs!
|
 |
|
Ruhe im Hafen von Kirkenes - eines meiner Lieblingsbilder
|
 |
 |
 |
 |
|
Doch hier bin ich noch nicht am Ende des Weges. Es geht noch weiter auf der E105 nach Jakobselv. An einer Stelle biegt auch die E 105 nach Murmansk ab. Ich stehe am Grenzübergang, der für mich unüberwindlich bleibt.
Es geht wenige hundert Meter zurück, dann nach Rechts auf die 886. Die Straße ist landschaftlich äußerst reizvoll. Sie schlängelt sich am Berghang entlang, dann wieder über freie Flächen, dann durch Wald. Bei Bjørnstad allerdings ändert sich die Straße: Aus dem bisherigen löchrigen Teer wird eine Schotterpiste mit tiefen Schlaglöchern - und das über 20 km lang. Als ich an der Kirche bei Jakobselv ankomme, höre ich ein Brummen hinten aus dem Womo. Erst nach einiger Zeit merke ich, was los ist: Durch die Schüttelei hat sich das Ventil am Boiler geöffnet und seither pumpt die Pumpe das ganze Frischwasser hinaus. Der Tank ist so gut wie leer. Nur gut, dass es im Friedhof einen Brunnen mit frischem Wasser aus den Bergen gibt!
An diesem Weg stehen auch immer wieder Schilder, die einen vor dem Überschreiten der Grenze warnen. Auf der anderen Seite des kleinen Baches ist Russland. Den Bach könnte ich bequem durchwaten - aber ich darf nicht. Grenzverletzungen werden wohl immer noch schwer bestraft. Es ist etwas, was ich nicht begreifen kann und will, was in mir Beklemmung auslöst: dass da wenige Meter entfernt ein Land ist, das ich nicht betreten darf. Warum kann und muss so etwas sein? Warum muss unsere Erde so unterteilt sein?
Auf der einen Seite der norwegische Grenzpfosten, auf der anderen Seite der russische - so nah und doch so fern!
|
|
|
|
 |
|
|
 |
|
Von Kirkenes nach Süden
|
 |
|
Die 885 führt von Kirkenes hinaus nach Süden. Zunächst reiht sich Ortschaft an Ortschaft, neue Häuser an neue Häuser. Dann wird alles etwas menschenleerer. Auf der linken Seite liegen die Abraumhalden eines Tagebaus, kilometerlang. Dann wird die Straße kleiner und einsamer. Ab und zu regnet es. Eigentlich wollte ich noch bis fast zum Dreiländereck Norwegen - Russland - Finnland fahren, aber durch die vielen Kurven hat alles länger gedauert. Auf der linken Seite liegt eine Seenlandschaft. Nach einer Stunde Fahrzeit habe ich genug, es wird auch langsam Abend. An einer Abzweigung biege ich rechts ab, dann geht es auf einen dünnen Kiesweg. Die Äste von Bäumen und Büschen kratzen am Womo. Wo ich hier wohl hinkomme? Dann treten die Büsche zurück, eine freie und gekieste Fläche wird sichtbar. Hier bleibe ich mit dem Womo über Nacht. Am Abend höre ich dann Hecheln vor meinem Womo. Als ich hinausschaue, sehe ich einen alten Pickup, der von Schlittenhunden gezogen wird ... Dann gibt es noch einen Spaziergang im Abendlicht (und begleitet von Mückenschwärmen). Es ist eine wundervolle Landschaft, einsam und ruhig.
|
 |
|
Dann gibt es noch eine Rast an einem See. Er liegt ruhig und spiegelglatt vor mir.
|
|