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Hinnøya

Karte Hinnöya Kopie

Bei Fiskebøl treffe ich wieder auf die E 10. An der Fähranlegestelle für die Fähre nach Melbu vorbei biege ich links ab nach Digermulen. Es ist die in der Zwischenzeit fertig gestellte Landverbindung auf die Lofoten, die sehr zügig und flott zu befahren ist. Aber nach dem ersten Fjord geht es in scharfem Knick nach rechts. Einige Kilometer gibt es noch eine schmale Teerstraße, dann wieder eher schlechte Piste. Es ist wie immer eine schwierige Wahl, wenn es die berüchtigte Waschbrett-Oberfläche gibt: schnell fahren, denn ab 65-70 Km/h spürt man dann die Rüttelpiste nicht mehr - und dafür Steinschlag oder ein tieferes Loch in Kauf nehmen, oder langsamer fahren und dafür manchmal das Gefühl, dass es das Womo auf den Waschbrettpisten in alle Einzelteile zerlegt und das Gebiss aus dem Mund fällt. Aber das ist auch schon wieder anders: Auch dieses Stück ist in der Zwischenzeit geteert.

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Lohn der Mühen ist zunächst einmal der Blick in den Raftsundet, eine Wasserverbindung, die einem Fjord ähnelt, aber durchgeht bis in den Norden. Der Raftsundet und der Trollfjord bieten ein phantastisches Panorama: kleine schärenartige Inselchen, dahinter die Berge der Lofoten, schneebedeckte Mulden an den Berggipfeln, und dazu Ruhe ...

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Dann ist der Ort Digermulen erreicht. Hier findet sich eine kleine Tankstelle mit einem Laden, sonst nicht sehr viel - außer schöner Landschaft und einem geschichtlichen Hintergrund. Kaiser Wilhelm II. war hier mit seinem Gefolge und hat die Schönheit der Landschaft genossen. Ich folge der Straße durch Digermulen (einige Kilometer vor Digermulen gibt es wieder Teer!) und biege an einer Abzweigung nach Arsteinen ab. Es ist wieder nur eine Piste, die sich aber wunderschön an die Küstenlinie anschmiegt. Am Ende der Straße befinden sich einige Häuser und eine Gärtnerei. Ich drehe um und fahre wieder ein Stück zurück. An einer Brotzeitbank stelle ich mein Womo ab und mache mir einen Cappuccino. Ich sitze hier und genieße die Kulisse: Über ein völlig ruhiges Meer hinweg ist das Festland zu sehen, auf einer vorgelagerten Insel leuchtet weiß das Haus eins Bauernhofes.

Wenn ich mich nicht täusche, müsste der spitze Berg der Stettind sein, ein Monolith, der als das Matterhorn Norwegens bezeichnet wird. Es ist wieder einer der schönen Norwegen-Augenblicke für mich: Hier sitzen, nichts hören außer ab und zu einem Vogel, kein Wind, einfach Frieden.

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Während ich meinen Kaffee trinke, hält ein weißer VW Polo neben meinem Womo, der Fahrer steigt aus und spricht mich in fast akzentfreiem Deutsch an. Er ist - so zeigt sich dann - ein bekannter Lofotinger, Geir Svendsen. Er führt sehr oft Gruppen durch die Lofoten ist Mitautor bei Lofoten-online.de und der Seite über Digermulen, beschäftigt sich viel mit den Lofoten und versucht auch, den Fremdenverkehr in die Gänge zu bringen. Es wird ein sehr interessantes und informatives Gespräch mit ihm. Ich erhalte einige wertvolle Hinweise: auf eine Bergtour und einen netten Übernachtungsplatz. Er erklärt mir auch, warum die Birken alle schon so gelb sind: nicht wegen des nahen Herbstes, sondern durch einen Pilz. Da es im Juni fast immer regnete, sind die Birken von einem Pilz befallen worden, der jetzt die Blätter zu einem frühzeitigen Absterben bringt. Es war einer der nassesten Sommer bis zum August. Seither ist es besser geworden.

Der Einstieg in die Bergtour, die mir Geir empfohlen hat, ist nicht so leicht zu finden. Ich brauche zwei Anläufe dafür. Der Weg beginnt - mit einem kleinen Schild gekennzeichnet - gegenüber der Tankstelle am Ortseingang. Die Tour führt nach oben auf den Keiservarden. Und oben bietet sich der Kaiserblick.

Der Wanderweg nach oben ist gut zu finden und - Dank der trockenen letzten Tage - auch in einem guten Zustand und nicht sonderlich schwer zu begehen (für lofotische Verhältnisse!). Mit jedem Meter, den ich an Höhe gewinne, bieten sich neue Ausblicke im allmählich abendlicher werdenden Licht.

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Sanft und unhörbar gleitet die MS Finnmarken durch den Sund. Die Schiffe der Hurtigrute faszinieren mich immer wieder.

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Das Wasser einer Bucht scheint in klarem Grün.

Je höher es geht, desto mehr weitet sich der Blick auf eine großartige Kulisse. Ganz oben angekommen zeigt sich dann, warum der Blick Kaiserblick heißt.

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Doch der Blick ist nicht nur kaiserlich, weil ein deutscher Kaiser hier war. Im Abendlicht kann ich einen Rundumblick über die Lofoten bis hin zum Festland genießen. Der Blick ist den Aufstieg von ca. 45 min unbedingt wert.

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Ich kann mich an der Aussicht kaum satt sehen. Aber es wird allmählich kühler, hier oben weht auch ein frischer Wind. Dann geht der Weg wieder hinunter zum Womo. Ich will den zweiten Hinweis befolgen, den mir Geir gegeben hat: Ich solle von Digermulen Richtung Asen und dann immer weiter auf der kleinen Straße fahren. Nach einigen Kilometern komme am Ende in kleiner Parkplatz, da könne ich ruhig stehen und übernachten. Also mache ich mich auf den Weg. Kurz nach dem Einbiegen auf die Piste bietet sich mich eine neuer Ausblick: Eigentlich ist es die alte Kulisse der Berge auf dem Festland - aber in ganz neue Farben getaucht: in das Rot der untergehenden Sonne:

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Auf der Piste geht es dann weiter. Es sind mehr Kilometer, als ich dachte. Und es staubt ... Am Ende ist mein Fahrrad auf dem Träger weiß statt blau. Am Ende der Straße befindet sich ein kleines Dorf mit einige Häusern, ein kleiner “Parkplatz” - eher eine Möglichkeit, Autos abzustellen. Mit Hilfe des Straßengrabens kann ich mein Womo sogar eben parken. Ich verbringe eine ruhige Nacht und schlafe gut. In der Nach hält sich das Wetter an das, was Geir vorausgesagt hat: Es soll ein wenig regnen. Zusammen mit dem Staub bildet der wenige Regen eine wunderbare Schicht auf meinem Rad ...

Am Morgen geht es zurück. In der Zwischenzeit hat ein Traktor mit einer Art Pflug den Weg gerichtet, so dass es ganz gut zu fahren ist, ab und zu auch recht steil. Es geht wieder nach Digemulen, dann an den Raftsundet. Der Keiservarden ist in Wolken gehüllt. Wie gut, dass ich auf Geir gehört habe und noch gestern nach oben gestiegen bin. Es sieht alles verändert aus. Zwar regnet es nicht mehr, aber die Wolken hängen tief über dem Sund und an den Bergen.

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